"Outplacement als Win-Win-Situation trotz Kündigung" 

Interview: "Outplacement als Win-Win-Stituation"
Hunting/Her-Gründer Christian Böhnke im Gespräch mit dem HR-Fachmagazin Arbeit & Arbeitsrecht über die Vorteile professioneller Outplacement-Beratung für alle von Personalabbau und betriebsbedingter Kündigung Betroffenen.
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Dr. Hilmar Schneider © Bundesverband Mitarbeiterbeteiligung - AGP


 „Betroffene Mitarbeiter zahlen oft doppelt“ - Drei Fragen an Dr. Hilmar Schneider

 

Herr Dr. Schneider, Sie gelten als prominenter Kritiker des Einsatzes von Transfergesellschaften. So bezeichneten Sie diese in einem Interview mit der Wirtschaftswoche u.a. als „Geldverschwendung“.[i] Was bewog Sie zu diesem Urteil?

 

Nun, erst einmal ist das Instrument Transfergesellschaft sicherlich nicht per se schlecht, gleichwohl habe ich als Wissenschaftler meine Bewertung nur an der Empirie zu orientieren. Und auch wenn es einzelne Anbieter geben wird, die einen guten Job machen, so frage ich mich aufgrund der ermittelten Durchschnittswerte dann erst umso mehr, wie viele schwarze Schafe es dann erst an diesem Markt geben muss. Mir ist keine einzige Untersuchung bekannt geworden, welche nachweist, dass Transfergesellschaften bessere Vermittlungsquoten aufweisen als die jeweiligen Agenturen für Arbeit, sich gleichwohl aber deutlich kostenintensiver darstellen. Und da komme ich auch schon zum eigentlichen Punkt meiner Kritik, denn die durch die Errichtung und Unterhalt von Transfergesellschaften anfallenden Kosten werden in der Regel finanziert von den betroffenen Mitarbeitern, nämlich über Kürzungen von deren Abfindungen. Das bedeutet, dass die entlassenen Mitarbeiter gleich doppelt betroffen sind; zunächst verlieren sie ihren Arbeitsplatz und schließlich sogar noch ihre Abfindung, oder aber wesentliche Teile dessen, zugunsten einer Maßnahme, die ihnen nichts bringt. Da stellt sich mir ganz einfach die Frage nach der Sinnhaftigkeit einer solchen Maßnahme für die Beschäftigten – und deren Vertreter.


Weshalb stellen Transfergesellschaften dann dennoch ein häufig eingesetztes Instrument bei Betriebsänderungen dar?


Nun, dazu muss man wissen, dass sehr viele Transfergesellschaften sich in der Hand von Gewerkschaften bzw. gewerkschaftsnahen Organisationen befinden und dass die über den Einsatz mitentscheidenden Arbeitnehmervertreter in den Unternehmen überwiegend gewerkschaftlich organisiert sind, so dass hier möglicherweise unterschiedliche Interessenslagen berücksichtigt werden müssen. Ob hier mehrheitlich vorsätzlich oder aber nach bestem Wissen und Gewissen entschieden wird, entzieht sich meiner Kenntnis. Ansonsten habe ich keine Erklärung, weshalb viele Betriebsräte sich bei Betriebsänderungen regelmäßig offensiv für Transfergesellschaften als Maßnahme einsetzen.  Für Unternehmen ergibt sich daraus dagegen durchaus eine gewisse Logik gerade auch in lukrativer Hinsicht, wenn durch die Einigung oft langwierige rechtliche Auseinandersetzungen vermieden werden und der Personalabbau so sehr viel geräuschloser umgesetzt werden kann.


Der Branchenverband der BVTB eV. wirft Ihnen vor, „dass Dr. Schneider und das IZA unter dem Präsidenten Klaus Zumwinkel die Qualitätsentwicklung der Transfergesellschaften, die sich in den letzten Jahren (…) vollzogen hat, bewusst ausblenden“ würden und bestreitet zudem die Validität Ihrer Zahlen. Hat sich die Branche seit dem vernichtenden Zeugnis, welches Sie ihr in der IZA Studie bereits 2006 ausgestellt hatten, nicht grundlegend verbessert?

 

Richtig ist, dass die empirischen Erkenntnisse, auf die ich mich als Wissenschaftler immer zu berufen habe, aus 2006 stammen, ganz einfach weil keine neueren Zahlen vorliegen. Wenn der Verband der Meinung ist, es haben maßgebliche qualitative Veränderungen stattgefunden, so möge er diese doch bitte in Form von harten Zahlen auch auf den Tisch legen. Bereits des Öfteren habe ich angeboten, mich gerne von aussagekräftigen Zahlen überzeugen zu lassen. Ich wäre dann der Erste, der dazu bereit wäre! Leider sind alle meine diesbezüglichen Angebote auch von den entsprechenden Branchenvertretern stets galant im Sande verlaufen gelassen worden und ich frage mich, warum wohl? Das einzige was geschehen ist, ist eine Art Ehrenkodex des Verbandes, worin sich die kaum zwei Dutzend darin organisierten Mitgliedsunternehmen auf  Qualitätsmaßstäbe verpflichten, welche aber letztlich wenig mehr bedeuten als eine Verpflichtung zu vernünftiger Arbeit, was man also ohnehin erwarten können sollte. Solange also keine empirischen Nachweise vorliegen, aus denen klar eine, verglichen mit den lokalen Agenturen für Arbeit, deutlich gesteigerte Vermittlungsquote hervorgeht, sehe ich im Instrument Transfergesellschaft ein teures und insbesondere für die betroffenen Mitarbeiter überflüssiges Instrument.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Zur Person: Dr. Hilmar Schneider studierte Sozialwissenschaften und VWL in Frankfurt am Main. Seit 2001 ist Dr. Schneider Direktor für Arbeitsmarktpolitik am Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn. Seine erfolgreiche Tätigkeit an der Schnittstelle zwischen Wirtschaftswissenschaft und praktischer Politikberatung äußert sich in einer Vielzahl von Forschungsgutachten, Fachpublikationen und Medienbeiträgen.

Darüber hinaus berät Dr. Schneider die Bundesregierung u.a. als Mitglied der Zensuskommission und war von 2011 bis 2012 als Kernexperte für den Zukunftsdialog der Bundeskanzlerin tätig.

Quelle: Böhnke, Christian: ePlacement - Outplacement 3.0


[i] https://www.wiwo.de/politik/deutschland/arbeitsmarktoekonom-hilmar-schneider-transfergesellschaften-sind-geldverschwendung/5234464.html

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